Reisebericht Segeln in Kroatien: Das unglaublich-grüne Süddalmatien

Magische Landschaften, kristallklares Meerwasser, unberührte Natur und viel Sonne und Wind machen die Region Süddalmatien zum perfekten nautischen Reiseziel.

Segelschiff Adria Kroatien

„und die Leinen los!“ auf diesen Befehl des Skippers warten wir nun seit 2 Jahren. Wegen Corona mussten wir unseren Kroatien Segeltörn um ein Jahr verschieben. Leider war die Freude durch die unterschiedlichsten Medienberichte etwas eingeschränkt und in der Vorbereitungszeit fiel immer wieder der Satz: „Ich glaube es erst dann, wenn ich am Bord bin“.

Aber dann ging es ohne Stress los von Wien mit dem Flugzeug in den Süden von Dalmatien. Der Parkplatz in Wien Schwechat war reserviert, dank Internet. Check in wurde schon am Vortag der Abreise erledigt, dank Internet und auch die Taxibestellung vom Flughafen in die Marina – wieder dank Internet. Nach einem kurzen Flug nach Dubrovnik, natürlich mit Maske und den 3G-Regeln, wartete das Taxi pünktlich und brachte uns in die ACI Marina Dubrovnik.

Immer das gleiche Theater in der Marina!

Ich werde es nie verstehen, aber es ist so und ich finde keine Erklärung. Kaum betritt man die Marina kommt Hektik auf und jeder rennt mit Koffer, Einkaufstaschen und Wasserflaschen zu seinem Charterschiff, wie wenn das Boot in den nächsten Minuten in See stechen würde. Wieso? – wir haben doch alle Zeit der Welt, zumindest die nächste Woche.

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Tradition muss beim Segeln erhalten bleiben

Nach dem ersten Abend in der Marina und den ersten Calamari ging es am nächsten Tag teils mit Segel, teils mit Motor endlich los. Natürlich nach alter Tradition, mit dem legendären „11er Bier“ und der Neptun-Taufe mit Schnaps aus der Heimat. Unser Ziel war eine ACI Marina Slano. Sie liegt in einer weiten und sehr schönen Bucht. Die Küste im Bereich der Marina ist überwiegend naturbelassen und bewaldet und verspricht perfektes Badevergnügen – endlich wieder im Meer schwimmen.  Die Ortschaft Slano liegt 500 Meter nördlich der Marina und lädt zu einem kleinen Bummel ein. Kleine Lokale mit ausgezeichnetem frischen Fisch (hier gab es für mich Calamari Nr.2) und netter Straßenmusik – Herz was willst du mehr!

Auf nach Mljet

Die kleine Insel Mljet ist 48 km lang und bis zu 5 km breit. Sie ist die grünste Insel im Mittelmeer und zu 90 % mit Aleppo-Pinien und Steineichen bewaldet. Wir segeln Richtung Polače, das Dorf mit ca. 100 Einwohner liegt in einer Bucht im westlichen Teil der Nordküste. Es ist die größte Bucht auf der ganzen Insel. Aufgrund seiner geschützten Lage ist Polače sehr beliebt unter Seglern. Aber Vorsicht, der SO-Wind Jugo jagt sogar dorthin gefährliche Wellen. In Polače gibt es eine Reihe von antiken Ruinen aus dem 1. bis 6. Jahrhundert. Von größter Bedeutung ist jedoch der römische Palast daher der Name „Polace“, der einen Besuch nach einem langen Segeltag wert ist. Fast jedes Lokal in Polače bietet direkt vor dem Haus klar gekennzeichnete Muringliegeplätze an. Ideal ist eine Reservierung eines Platzes, denn somit ist auch ein Tisch reserviert. Wir taten dieses und legten beim Restaurant Ogigija, das zu den Urgesteinen der Mljeter Gastronomiebetriebe zählt, an. Miho Market verwöhnte uns mit Fischplatten, gegrillte Calamari (Nr. 3) und Oktopussalat. Noch ein Tipp: Grandiose Ćevapčići.

Das Archipel von Lastovo

Nach einem ausgezeichneten Frühstück an Bord, welches auch die Wespen genossen, ging es weiter in Richtung Insel Lastovo. Sie liegt südlich von Korcula und ist die vom Festland am weitesten entfernte Insel, die dauerhaft bewohnt ist. Diese Abgeschiedenheit verdankt die Insel auch ihre Ruhe. Hier gehen die Uhren noch etwas langsamer, die Inselbewohner sind entspannter und dem Diktat unserer modernen Zeit weniger unterworfen. Die Insel ist über 9 km lang und 6 km breit und größtenteils mit Pinien- bzw. Kiefernbäumen bewachsen. Umschlossen wird Lastovo von insgesamt 46 Inseln, die zusammen das Archipel von Lastovo bilden. Seit 2006 ist das Archipel wegen seiner mystischen Schönheit, den dichten Wäldern, den Salzseen, der hohen Kliffküsten, den Land- und Unterwasserhöhlen, der üppigen – aber seltenen Meeres- und Landesfauna zu einem Naturpark ernannt worden.

Der Nachthimmel von Lastovo ist der zweitdunkelste Himmel in Europa, an dem die Milchstraße und viele Galaxien mit dem bloßen Auge zu sehen sind.

Großes Schiff – kleines Schiff

Nach einem Badestopp im herrlich-türkisen Meer trafen wir auf ganz was Großes, die Eclipse des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch, eine der berühmtesten Privatyachten der Welt und der Inbegriff von Luxus. Oh, wie klein wir da waren mit unserer Oceanis 48 (14 Meter) neben der 163 Meter langen Yacht. Aber was soll´s, ich bin mir sicher, das will ich nicht! Alleine wegen den 90 Angestellte die täglich um mich sind.

So geht unsere Tagesreise ohne Bedienstete weiter nach Zaklopatica, eine grüne Bucht, die auf der nördlichen Seite der Insel Lastovo liegt. Der Hafen ist klein und sehr ruhig. Wieder auf Vorbestellung steuern wir die Kanoba Aragosta an – das klappt in Dalmatien prima! Das Schiff hängt wieder an einer Muring, wir haben eine Dusche und bekommen heute Peka, einmal mit Lamm und einmal mit Oktopus. Ein perfekter Segeltag!

Peka: Alles in den Topf und der Koch kann ausspannen!

Eine klassische Peka besteht aus einer Eisenkuppel, ähnlich einem umgedrehten Wok, und darunter einem etwas kleineren Blechtablett mit hohem Rand. Ein oder zwei lose Eisenringe verhindern, dass die Glutstücke herunter rutschen kann.

Die Zutaten, wie Fisch, Lamm oder Schwein werden mit dem Gemüse (Kartoffeln, Paprika, Zwiebeln, Tomaten usw.) und Salz in das Tablett gelegt und mit der Kuppel zugedeckt, die dann mit glühender Holzkohle belegt wird. Am besten funktioniert das mit der Glut eines daneben brennenden Lagerfeuers. Durch die Strahlungswärme von oben wird sanft und gleichmäßig gegrillt, während gleichzeitig alles schonend gedämpft wird – und zwar im Dampf der eigenen Säfte.

Das Geld steckt in Zaklopatica im Rauchfang

Doch bevor wir diese herrlichen Köstlichkeiten genießen dürfen, die Garzeit dauert zwischen 3 und einer Stunde – kommt auf die Zutaten an, sparzieren wir in das Dorf Zaklopatica. Es liegt 2 km entfernt, geschützt in einer Mulde, ein idyllisches Panorama von grünen Hügeln und dem blauen Meer. Das Ortsbild ist geprägt von alten Steinhäusern und den markanten Rauchfängen. Die bekannten „Fumar“ haben eine bestimmte Form, deren Konstruktion darauf hindeutet, den damaligen Reichtum des Hausbesitzers zu zeigen – und es gibt keine zwei Gleichen.

Gesundes Unkraut: Meerfenchel

Wir wandern durch schmale Gassen, ohne Touristen und Souvenirläden und landen in einer Konoba am Dorfplatz. Ich bestellte mir einen Aperol Spritzer, worauf mir der Wirt antwortet:“ Ich verkaufe keine Chemie!“ Gut, dann ein ehrliches Glas „Vino de Casa“. Als Knabberei gab es keine Chips, sondern warmes, selbstgebackenes Brot mit Meerfenchel. Er ist eine wilde Strauchpflanze (oft als Unkraut bezeichnet), die aus einem Felsriss des Karstgesteins an der kroatischen Küste herausragt. Mit seinen fleischigen Blättern, die salzig im Geschmack und aromatisch sind, wird der Meerfenchel oft als Teil der mediterranen Kost verwendet. Egal ob gedünstet, getrocknet oder eingelegt in Essig und Salz – der Meerfenchel ist aufgrund seines hohen Vitamin C-Gehaltes ein extrem gesundes Gemüse.

Bucht Okuklje: Zurück in echtes Naturparadies

In einem Reiseführer fand ich den Spruch „Mljet –Liebesgrüße aus Süddalmatien“. Ja, die Insel hat was, seine saftig grünen Landschaft und die malerischen, von rauen Felsklippen umrandeten Strände werden ewig im Gedächtnis bleiben. Um diese atemberaubende Landschaft nochmals zu genießen steuerten wir den östlichen Zipfel von Mljet an, wo die sehr geschützte Bucht Okuklje liegt.

Einige Häuser und fünf Lokale liegen in dieser verträumten Bucht und schon bei der Einfahrt wird von jedem Steg gewunken, um ebendort anzulegen. Auch hier bewährte sich die Vorreservierung, denn eigentlich wollten wir zu dem „Schweizer“ mit seinem köstlichen Beef Steak (ist wirklich ein Eidgenosse, der in der Bucht ein Lokal betreibt), doch der war voll. Aber das Restaurant Maestral mit 10 Muringplätze hatte auch einen Tisch für uns und nach den Oktopus-Carpaccio und dem Schokosoufflé, war uns allen klar – ein Gourmet – Hammer! Gut, das der Schweizer keinen Platz hatte. Abgesehen von der Kulinarik und dem Travarica (ein aus Trauben gebrannter Schnaps mit ca. 40 % Alkohol) hat man durch die erhöhte Terrasse einen imposanten Blick in die Bucht. Der ideale Platz zum Entspannen, Schwimmen und Genießen – schreit nach einer Wiederkehr.

Ston, die kleine Perle der Adria

Das Ende unseres Segeltörns naht und unsere letzte Station ist die Renaissancestadt Ston, berühmt für ihre Saline und ihre Stadtmauer, die bis nach Mali Ston auf der Nordseite der Halbinsel Pelješac reicht. Schon von weiter Ferne sieht man die Mauer mit einer Länge von 5,5 Kilometern, die zweitgrößte, erhaltene Wehrmauer der Welt, nach der weltberühmten chinesischen Mauer.

Wir legten in Ston im Hafen (ist noch nicht fertig gestellt) an, gleich neben den Salzseen, deren Geschichte, bis ins Mittelalter reicht. Heute ist es das älteste und noch immer aktive Salzwerk der Welt. Die Produktionsweise wurde nie verändert und erfüllt trotz allem die Bedürfnisse der progressiven Wirtschaft der modernen Zeit.

Nach einer feinen Abkühlung im Meer, schauten wir Richtung der monumentalen Mauer, die die zwei Stadtteile Ston und Mali Ston über den Berg und einer Festungsanlage miteinander verbindet. Nein, bei 28 Grad ist die Begehung der Mauer „eindeutig Selbstmord“. Wir besuchten das mittelalterliche Städtchen mit ihren Souvenirläden (ja, sie gibt sie doch noch) und genossen Wein aus der Region Pelješac.

Ein weiterer Segeltag mit gutem Wind geht dem Ende zu und wir wandern etwa 20 Minuten in den kleinen traumhaften Ort Mali Ston. Die Bucht von Mali Ston ist bekannt für die Muschel- und Austernzucht, ein unvermeidlicher Zielort für Liebhaber von Meeresfrüchten. Im Restaurant Kapetanova kuca würden wir auch mit diesen Delikatessen verwöhnt. Ich sage nur – panierte Austern und Muscheln und, und, und – einfach herrlich!

Zurück ins Hafenkino: Alltagsgeschichten in der Marina Dubrovnik

Nach einer wunderschönen Woche mit vielen Eindrücken und kaum Touristen geht es zurück in den Heimathafen unseres Charterschiffes und zu meinem geliebten „Hafenkino“ wie ich es bezeichne. Ich kann stundenlang im Segelboot sitzen und den anderen beim Anlegen zusehen, diese Manöver erfolgen oft mit Stress, Hektik und unschönen Worten – nennen wir es „Alltagsgeschichten im Hafen“ zum leichteren Verständnis.

Vorher muss noch getankt werden, auch das ist ein eigenes Kapitel – Gedrängeln beim Anstellen usw. Heuer war unspektakulär, da wir sehr zeitig bei der Tankstelle waren, so gab es noch keine „Aktion“.

Dubrovnik: Wie ein großer Esstisch…

Den letzten Abend nach einen entspannten Segeltörn mit gutem Wind wollten wir in Dubrovnik ausklingen lassen.

Die Stadt Dubrovnik in Kroatien zählt zu den absoluten Reise-Highlights des Landes. Auch als die „Perle der Adria“ bekannt, begeistert sie mit ihrer weltberühmten UNESCO-Weltkulturerbe Altstadt, die von einer gigantischen Mauer umgeben ist. Die unzähligen fantastischen Sehenswürdigkeiten von Dubrovnik garantieren eine unvergessliche Zeit.

so steht es in einem Reiseführer.

So groß die Freude war, so groß war die Enttäuschung. Gibt es in der „Perle“ Dubrovnik kein Corona? Menschen über Menschen, wohin man schaut, dicht gedrängt in allen Gassen. Außer Souvenirläden, wo die Leute Schlange standen. gab es nur Lokale, eines neben dem anderen. In jeder noch so kleinen Ecke stand ein Tisch. Das war direkt ein Schock für uns, nach einer Woche ohne Tourismus und Hektik. Ist Dubrovnik eine Restaurant – Stadt geworden?

Nach Calamari Nr. 4 – es waren wirklich die Letzten, ging es schnell zurück in den Hafen, um noch das Rauschen der Wellen und das Klappern der Masten genießen zu können. Übrigens, der Taxifahren meinte, heuer sind nur 45 % Gäste gegenüber 2019 hier – wie ist es dann in der „Perle Dubrovnik“ wenn die restlichen 55 % auch da sind?

Abschließend ein Zitat von einem Skipper:

Mit dem garantierten Sonnenschein, der ruhigen See und den günstigen Winden ist es kein Wunder, dass Süddalmatien ein Magnet für Segler aus aller Welt ist.  Mit seiner gegliederten Küste, versteckten Buchten, bezaubernden Stränden und natürlich erstklassiger Infrastruktur haben wir Skipper dieses Fleckchen Erde auf dem Radar.

Wir haben diesen Fleck auf unserer Bucket List – Segeltörn Süddalmatien Nr. 2.

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Autorin: Astrid

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